Viele Jahre im österreichischen Gesundheitssystem und im Management des weltweit größten Gesundheitsunternehmens haben mir gezeigt, dass Innovation nur dann positiv wirken kann, wenn sie über die Konferenzräume und Rednerpulte hinaus dort ankommt, wo sie wirklich gebraucht wird – bei den Patientinnen und Patienten.
In den letzten Jahren und Jahrzehnten haben wir unglaubliche Fortschritte in der Innovation im Medizinbereich erlebt: denken wir an modernste Medizinprodukte, wie CGM-Systeme, die eine kontinuierliche Glukosemessung, mit Insulinpumpen kombinieren. Wer früher mehrmals täglich Blut abnehmen musste, um den Blutzucker zu kontrollieren, trägt heute einen kleinen Sensor am Körper, der permanent misst, bei Ausreißern warnt und vor allem: die persönliche Freiheit zurückgibt. Für Diabetikerinnen und Diabetiker verändert das nicht nur die Therapie, es verändert das Leben. Eine Innovation im Medizinproduktebereich hat diese direkte, spürbare Wirkung auf den Alltag von Menschen.
Innovation, die den Alltag verändert
Denken wir an die bionische Prothetik. Gliedmaßen, die auf Nervenimpulse reagieren, Handprothesen, die Gegenstände so greifen wie eine natürliche Hand – das war vor einem Jahrzehnt pure Science-Fiction. Heute ist es technische Realität für immer mehr Menschen in Österreich. Ich bin stolz darauf, dass Österreich zu den wenigen Ländern weltweit gehört, in denen der volle Zugang zu medizinischer Innovation der gesamten Versichertengemeinschaft offensteht – unabhängig von finanziellen Möglichkeiten oder sozialem Status. Dieses Solidarsystem zu erhalten, ist mein Anspruch und die 750.000 Medizinprodukte in Österreich bilden einen fixen Bestandteil des täglichen Lebens, während die Medizinprodukteunternehmer als wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor eine Bruttowertschöpfung von 5,5 Milliarden Euro erzielen, und so maßgeblich zum Standort beitragen.
Versorgung neu gedacht: Innovation für die große Mitte
Das für mich wichtigste Thema, wenn es um Innovation geht, ist die Versorgung der großen Mitte. In Österreich leben hunderttausende Menschen mit einer chronischen Erkrankung – seien es Rückenprobleme, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen oder Diabetes-Typ2. Das sind keine komplexen Intensivfälle, sondern typische Zivilisationserkrankungen, die in den meisten Fällen keine Spitzenmedizin brauchen, sondern – früh genug erkannt – vorrangig eine konsequente Veränderung des Lebensstils.
Was es unterstützend braucht, sind smarte Hilfsmittel, digitale Gesundheitsanwendungen, Monitoring-Lösungen, die im Alltag begleiten. Für die große Gruppe der Zivilisationserkrankungen wird Innovation zu selten und zu wenig weit gedacht. Zu oft konzentrieren sich Debatten auf die spektakulären Fälle – dabei liegt das größte Versorgungspotenzial genau hier, bei den vielen Menschen, die nicht komplex krank sind, aber dennoch täglich mit ihrer Erkrankung leben.
Die ÖGK versorgt rund 1,4 Millionen Patientinnen und Patienten im Bereich Heilbehelfe und Hilfsmittel. Innovation, die im Alltag der Menschen ankommt – das ist der Maßstab, an dem ich meine Arbeit messe. Und die Partnerschaft mit den Unternehmen der AUSTROMED ist dabei kein Nebenaspekt, sondern Bedingung.